Maurice Basler: Vom einfachen Leben (RHP)

Die Rheinpfalz, 11. Juli 2018

Sein Vater Mario wurde Deutscher Meister und ist bis heute eine Größe im internationalen Fußball, er selbst hat mit der  TSG Eisenberg II gerade den Aufstieg in die B-Klasse gepackt. Ein Gespräch mit Maurice Basler über das Leben als Sohn eines berühmten Sportlers.

Der Druck ist schon lange nicht mehr da. Dieser Wunsch, dem Vater nachzueifern, die riesigen Fußstapfen auszufüllen, die Last des berühmten Namens zu schultern. „Ich bereue überhaupt nichts“, sagt Maurice Basler und zündet sich eine weitere Zigarette an. „Denn ich habe mich schon früh bewusst für das einfache Leben entschieden.“

Er meint damit nicht etwa „bequem“. Was der  Gießereimechaniker aus Altleiningen als „einfaches Leben“ bezeichnet, wird wohl am ehesten deutlich, wenn man sich Söhne prominenter Sportler anschaut, die neben den überlebensgroßen Monumenten ihrer Väter ein eigenes bauen wollten – und scheiterten. Etwa Lucas Scholl, dessen Vater Mehmet als einer der begnadetsten Fußballer seiner Generation gilt. Der talentierte Nachwuchskicker Lucas hat bei den Bayern aus München alle Nachwuchsmannschaften durchlaufen – und spielt jetzt in der viertklassigen Regionalliga Nordost bei Wacker Nordhausen. „Der Hype um mich war einfach zu groß“, sagt der mittlerweile 21-Jährige heute.

Maurice Basler hat sich schon recht früh gegen dieses Schicksal entschieden. Vielleicht auch, weil er irgendwann gemerkt hat, dass es zwar womöglich mit viel Entschlossenheit und Fleiß für eine ordentliche Spielklasse im Amateurbereich reichen könnte, aber das internationale Format des Vaters dann doch für immer ein allzu gnadenloser Vergleichswert bleiben würde.

Denn der 21-Jährige ist nicht einfach der Sohn irgendeines Ex-Profis. Sein Vater ist Mario Basler, genannt Super Mario. Enfant terrible und Fußballgott, rauchendes Freistoßgenie und scharfzüngiger Lautsprecher, deutscher Meister und Pokalsieger, Europameister von 1996. Eine Legende des deutschen Fußballs, die mit dem notorischen Weizenbierglas in der Hand bis heute auf den Sofas der Fernseh-Talkrunden polarisiert. Einer, der einem sofort einfällt, wenn Experten wie Oliver Kahn mal wieder „richtige Typen“ fordern. Einer, den man nur schwerlich imitieren kann.

„Es gab schon auch eine kurze Zeit, wo mich das belastet hat, dass ich immer so gut werden wollte wie er“, sagt Maurice Basler. Dazu kamen noch die Sprüche von außen, wenn es mal wieder hieß, er spiele nur wegen des berühmten Namens. Aber das ist alles vorbei. „Als es dann irgendwann mit dem Feiern anfing, habe ich einfach ganz klare Prioritäten gesetzt. Mit Freunden ungezwungen unterwegs zu sein, war mir ganz klar wichtiger. Und das ist es immer noch.“ Heute lacht er über Frotzeleien vom Spielfeldrand.

Maurice ist 1997 in München geboren. Um die ganz großen Momente in der Karriere seines Vaters – wie das Champions-League-Finale von 1999 – mitzuerleben, war er damals also noch zu jung. Dennoch: Bis sein jüngster Sohn sieben Jahre alt war, mischte Mario Basler noch als internationale Größe im Profifußball mit. Wenn Maurice Basler heute auf diese Jahre zurückblickt, ist die Erinnerung vor allem von einer überraschenden Normalität geprägt. „Mein Vater war ein Papa wie jeder andere auch“, betont er immer wieder. „Er war sehr präsent und hat uns Kindern nie seinen Lebensweg aufgedrängt.“

Vielleicht liegt es ja an den millionenschweren Profis von heute, dass man sich das Leben als Sohn eines Fußballstars irgendwo zwischen Luxusautos, Promi-Veranstaltungen und Poolfotos bei Instagram vorstellt. Maurice Basler kann mit solchen Protz-Klischees nicht dienen. Stars, die sich bei den Baslers daheim regelmäßig die Klinke in die Hand gaben? Fehlanzeige. „Ich wurde auch nie mit dem Selbstverständnis erzogen, dass wir irgendwie mehr Geld haben könnten als andere. Das hat mein Vater nie raushängen lassen und so bin ich heute auch nicht eingestellt.“

Was er davon hält, dass deutsche Sportjournalisten wegen den teilweise polemischen Äußerungen seines Vaters immer mal wieder unter akuter Schnappatmung leiden? Maurice grinst. „Manchmal muss ich selbst lachen. Aber vor allem finde ich gut, dass er seine Meinung sagt. Davon gibt es nicht mehr so viele.“ Immer mal wieder begleitet der Sohn den ehemaligen FCK-Profi auch zu den Talkrunden des Senders Sport1, Baslers liebster Bühne. „Er ist aber auch privat einer, der kein Blatt vor den Mund nimmt“, sagt Maurice.

Der Fußball hat Maurice Baslers Leben bestimmt. Und er tut es immer noch – wenn auch ohne Leistungsdruck. Heute spielt er bei der TSG Eisenberg. Mal stand er für die Erste Mannschaft in der A-Klasse auf dem Platz, mal für die Zweite in der C-Klasse. Ihn kümmert das nicht. „Es macht einfach unglaublich Spaß, wir sind ein super Team und perfekt eingespielt“, sagt der 21-Jährige über die TSG II, mit der er in der vergangenen Saison den Aufstieg in die B-Klasse klar machte. Und falls Vater Mario nicht gerade unterwegs ist, kann es gut sein, dass der Sohn nach einer Partie Tipps und Kritik vom Altmeister erhält. „Er schaut sich immer mal wieder Spiele im Waldstadion an. Das freut mich dann natürlich immer.“

Bleibt zum Schluss nur dieser eine Treppenwitz, wie ihn sich nur der Fußball ausdenken kann. Denn es ist nicht ohne Ironie, dass Maurice Basler, dessen Vater überall für seine Freistöße gefürchtet war, auch bei den Eisenbergern mit einem für diese Klasse bemerkenswert feinen Fuß glänzt. Sechs seiner acht Saisontore hat er mit einem direkt verwandelten Freistoß erzielt. „Irgendetwas muss man von seinem Vater ja vererbt bekommen“, sagt Basler lakonisch und drückt die letzte Zigarette aus.

 

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